Schutzschirmverfahren

Das Schutzschirmverfahren stellt eine besondere Verfahrensart im Rahmen eines Insolvenzantragsverfahrens dar. Das Schutzschirmverfahren ist Teil der (vorläufigen) Eigenverwaltung. Es ist an das amerikanische Chapter-11-Verfahren angelehnt. Ziel des Schutzschirmverfahrens ist es, eine Sanierung des Unternehmens bzw. des Unternehmensträgers in Eigenverwaltung zu ermöglichen. Zur Sanierung, also zur Vorlage eines Sanierungsplans (Insolvenzplans), wird das Insolvenzgericht auf Antrag eine entsprechende Frist setzen. Während dieses Zeitraums steht das Unternehmen unter einem besonderen Schutz(schirm), d.h. das Unternehmen kann unter Aufsicht weiter am Markt agieren und die Geschäftsführung ist verwaltungs- und verfügungsbefugt; Gläubigern ist es aber nicht möglich, Maßnahmen der Einzelzwangsvollstreckung zu betreiben.

Anstelle eines (vorläufigen) Insolvenzverwalters wird ein (vorläufiger) Sachwalter bestellt, der die Geschäftsleitung (die weiterhin verwaltungs- und verfügungsbefugt ist) sowie ihren insolvenzrechtlichen Berater überwacht. Wesentlicher Vorteil des Schutzschirmverfahrens gegenüber anderen Verfahrensarten ist, dass die Person die den Geschäftsbetrieb überwacht (der Sachwalter) vorgeschlagen werden kann. Nur für den Fall, dass diese Person nicht qualifiziert oder vorbefasst ist, kann das Gericht von dem Vorschlag abweichen.

Für die Einleitung eines Schutzschirmverfahrens darf keine Zahlungsunfähigkeit, sondern lediglich drohende Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung vorliegen. Dies ist durch einen Wirtschaftsprüfer, Steuerberater oder sonst in Insolvenzsachen erfahrene Person zur Einleitung des Verfahrens zu bescheinigen. Weiter ist es notwendig, dass dargestellt wird, dass die Durchführung des Schutzschirmverfahrens nicht zu Nachteilen für die Gläubiger führt. Insbesondere ist hier darzulegen, dass seitens der Geschäftsleitung eine Expertise in Insolvenzsachen vorhanden ist, die nahelegt, dass die Regelungen der Insolvenzordnung eingehalten werden. Ist eine solche Expertise in der Geschäftsleitung nicht vorhanden, muss gegebenenfalls ein Sanierungsgeschäftsführer (CRO) bestellt werden oder eine in Insolvenzsachen erfahrene Kanzlei mit der Sanierungsberatung beauftragt werden. Ob ein Sanierungsgeschäftsführer notwendig ist, oder die Beauftragung eines externen Sanierungsberaters ausreicht, ist im Vorfeld des Schutzschirmantrages mit dem zuständigen Insolvenzgericht zu erörtern.

Die Durchführung eines Schutzschirmverfahrens (Eigenverwaltung) setzt voraus, dass durch das Verfahren die Insolvenzmasse wirtschaftlich nicht schlechter gestellt wird, als sie im Regelverfahren stünde. Mithin darf die Durchführung des Schutzschirmverfahrens nicht wirtschaftlich nachteilig sein. Hier sind insbesondere die Kosten gegenüberzustellen. 

Die Rechtsanwälte und Insolvenzverwalter bei LEONHARDT RATTUNDE sind sowohl als mandatierte Sanierungsberater als auch als vom Gericht bestellte Sachwalter in Schutzschirmverfahren tätig. Gerade in Fällen, in denen ein Schutzschirmverfahren eingeleitet werden muss, ist Zeit oftmals ein kritischer Faktor. LEONHARDT RATTUNDE kann auf ein großes Team an Spezialisten an verschiedenen Standorten zurückgreifen, so dass auch überregional und im Rahmen eines engen Zeitkorsetts erfolgreich agiert werden kann.

Diese Schutzmaßnahme zur Vorbereitung einer geplanten Sanierung erfordert eine fundierte Vorbereitung und eine professionelle Umsetzung durch erfahrene Experten.

Wissen

Präventives Restrukturierungsverfahren

Aktuelle Veranstaltungen

Der ULTRAMan für Insolvenzrechtler: Ein Tag - 15 Stunden FAO im Insolvenzrecht

Am: 08.11.2019
Referenten: Prof. Dr. Torsten Martini, RA Dr. Jürgen Spliedt, RiAG Dr. Thorsten Graeber
Berlin (Der genaue Ort wird Ihnen vom Veranstalter mitgeteilt)

6. Fachanwaltslehrgang Insolvenzrecht - Baustein 5: Amt des (vorläufigen) Insolvenzverwalters; Sicherung und Verwaltung der Masse

Am: 05.12.2019 - 07.12.2019
Referent: Prof. Dr. Torsten Martini
H4 Hotel Hamburg-Bergedorf

Fachanwaltslehrgang Insolvenzrecht - Baustein 8: Insolvenzplanverfahren, Eigenverwaltung, Schutzschirmverfahren

Am: 08.02.2020
Referent: Prof. Rolf Rattunde †
H4 Hotel Hamburg-Bergedorf

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